Sonntag, 18. Dezember 2011

Google Plus (Google+) und Google-Suche

Basiswissen für Strategen vgwort - google plus

Wer als Freiberufler oder Unternehmen Google Plus (Google+) strategisch nutzen möchte, sollte ein paar Fakten und Zusammenhänge rund um Google Inc., Google Plus und die Google-Suche kennen.

Google Incorporated (Google Inc.) ist ein börsengehandeltes Unternehmen mit Sitz in Kalifornien, welches Internetdienstleistungen anbietet. Das erfolgreichste Produkt von Google Inc., mit dem 1998 alles begann, ist die Google-Suche. Die Google-Suche dominiert seit einigen Jahren den Suchmarkt - manche Statistiken geben 80 % Marktbeherrschung an, bei mir (tinto) kamen in den letzten 30 Tagen 94 Prozent der über Suchmaschinen zugeführten Besucher von der Google-Suche.

Die Google-Suche als führende Suchmaschine bestimmt also zu großen Teilen die Sichtbarkeit im Internet, weshalb, wer Suchmaschinenoptimierung (SEO) betreibt, sich vor allem an der Google-Suche orientieren muss. Ein Problem für Google Inc. und das Google-Suche-Produkt wurden in den letzten Jahren die sozialen Netzwerke, allen voran Facebook - denn sie verführten die Menschen dazu, weniger Zeit im "öffentlichen" Internet zu verbringen und hatten eigene Suchfunktionen innerhalb ihrer Netzwerke.

2011 hat Google nun ein neues Produkt ausgespielt, das auch eine dominierende Rolle spielen soll: das Google-eigene soziale Netzwerk Google Plus (Google+). Wegen seiner klaren Struktur, seiner fast intuitiven Bedienbarkeit und der Abneigung mancher Personengruppen gegenüber Facebook haben sich die Teilnehmerzahlen explosionsartig entwickelt.

Alles deutet darauf hin, dass Google Inc. Google Plus zum Zentrum seines Imperiums machen möchte, d. h. Google Plus wird immer stärker mit anderen Google-Produkten und vor allem auch mit der mächtigen Google-Suche verknüpft. Das ist für Internetnutzer insofern gut, dass Inhalte wieder öffentlich werden und nicht nur in abgeschlossenen sozialen Netzwerken verfügbar sind - denn bei Google Plus kann alles öffentlich gepostet werden (bei jedem einzelnen Beitrag kann man bestimmen, welche Kontakte ihn lesen dürfen oder ob man ihn öffentlich verfügbar macht). Andererseits ist es aus Nutzer- und Webseitenbetreibersicht nicht positiv, wenn Google Inc. durch die Verknüpfung von Google-Suche und Google Plus seine dominante Stellung festigt bzw. ausbaut: Es zwingt sie nach den Spielregeln von Google Inc. zu tanzen. 

Die Google-Suche benutzt einen (nicht veröffentlichten) Suchalgorithmus. Einer der Bestandteile des Algorithmus, der mitbestimmt, wie weit vorne eine Internetseite in den Suchmaschinen platziert wird, ist die Qualität und Menge der Links, die von anderen Internetseiten auf eine Website führen. Links zur eigenen Website aus einem oder mehreren Google Plus Profilen (Personen- oder Unternehmens-/Markenprofile) sowie aus Beiträgen heraus wirken sich daher positiv auf die Platzierung in den Suchergebnissen aus.

Das Profil einer Markenseite bietet im Intro- und im
Empfohlene-Links-Bereich Möglichkeiten, Links zu setzen


Auch die Google Plus Personenprofile und Unternehmensseiten (Google Plus Pages)tauchen in den Suchergebnissen auf. Je nachdem aus welchem Blickwinkel man das betrachtet, können sie als "Konkurrent" in der Suchergebnisliste angesehen werden oder als Unterstützung, sichtbarer zu werden (schließlich besetzt man auf die Weise mehr Platz in den Suchergebnissen).

Seit der Einführung von Google's +1-Knöpfen/-Plaketten (Badges), mit denen man auf Webseiten sein Gefallen bekunden kann (wenn der Webmaster sie eingebaut hat - www.google.com/intl/de/webmasters/+1/button/ oder man den Google-Browser Chrome mit der +1-Erweiterung benutzt), bezieht Google diese +1-Bewertungen in die Google-Suche ein. Das heißt: Viele Gefallensbekundungen wirken sich positiv auf die Platzierung in den Google-Suchergebnissen aus. Die Google Plus Unternehmens-/Markenseiten sind automatisch mit einem +1-Knopf ausgestattet.

Seit es Google Plus gibt, bietet Google nun auch Plaketten (Badges) an, mit denen man auf der Firmen-Website für den Auftritt (Personenprofil oder Unternehmens-/Markenseite) bei Google Plus werben kann - was natürlich auch eine schöne Werbung für Google Plus ist - das ist ja auch legitim, schließlich nimmt man kostenlose Dienste in Anspruch. Auch auf diesen Badges gibt es einen +1-Knopf, die Gefallsbekundungen gelten dann aber für die entsprechende Seite bei Google Plus. Es gilt also, alle Knöpfe/Badges so zu platzieren, dass Seitenbesucher nicht verwirrt oder irritiert werden - wenn man alle Arten von Badges einbauen möchte (schließlich sollen die Kunden sowie der Freiberufler/das Unternehmen die Nutznießer sein). Zur Info: Auf den Badges sind außerdem Felder, mit denen man das beworbene Google Plus Profil bzw. die beworbene Google Plus Unternehmensseite seinen Kreisen hinzufügen kann sowie ein Link zum Stream des beworbenen Google Plus Auftritts.

Google Plus als soziales Netzwerk mit aktuell ca. 50 Millionen Teilnehmern weiß, wer mit wem vernetzt ist und wer was gut findet (durch die +1-Gefallensbekundungen für Internetseiten und auf den Google Plus Unternehmens-/Markenseiten). Auch diese Informationen beeinflussen inzwischen die Suchergebnisse, die die Google-Suche ausspuckt. Was jemand, mit dem man vernetzt ist, mit +1 bewertet hat, wird in den Suchergebnissen entsprechend gekennzeichnet (zumindest wenn man bei Google eingeloggt ist) und möglicherweise auch anders platziert. Jemand, der stark vernetzt ist, hat also viel Einfluss (leider spielt es dabei keine Rolle, weswegen man mit der Person überhaupt vernetzt ist und ob die Suchanfrage überhaupt etwas mit diesem Thema zu tun hatte).

Bei all den Chancen, die Google-Produkte bieten, sollte man sich nicht zu abhängig machen - das gilt vor allem für die Google-Suche und für Google Plus. Zum einen kann das Unternehmen jederzeit die Spielregeln ändern, zum anderen könnten dem Unternehmen (und anderen Quasi-Monopolisten) durch Regulierungsbehörden andere Spielregeln aufgezwungen werden - was aus Sicht der Nutzer und Webseitenbetreiber (Freiberufler und Unternehmen) eher positiv zu bewerten wäre. Ein weiterer Gesichtspunkt, der dazu kommt: Google scheint zunehmend mehr auf große Marken als auf kleine Unternehmen und Publisher zu setzen - eines von vielen Anzeichen ist, dass nun auch Posts von Google+ Unternehmensseiten ausgewählter großer Marken in den Suchergebnissen vertreten sind.

Nachtrag am 20.01.2012
Wer einen Google-Account anlegt, bekommt jetzt automatisch einen Gmail Account und ein Profil und tritt Google+ bei.

Dienstag, 29. November 2011

Die Stanford University hat eine Bildungsrevolution gestartet

vgwort-stanford-kostenlose-online-kurse Die amerikanische Elite-Universität Stanford ermöglicht seit Herbst 2011 Bildungshungrigen weltweit kostenlosen Zugang zu hochwertiger Bildung, indem sie Kurse  über das Internet anbietet. Im Durchschnitt haben sich etwa 100.000 Teilnehmer für jeden der ersten drei Kurse ("MOOCs") angemeldet, Spitzenreiter war „Artificial Intelligence“ mit 160.000 Einschreibungen. 2012 starten die nächsten Kurse (Liste siehe unten). Könnte das Modell ein Vorbild für deutsche Universitäten und Bildungseinrichtungen - vielleicht auch zur Bekämpfung des Fachkräftemangels - sein?

Die kalifornische Stanford University ist eine der renommiertesten Universitäten der Welt und laut Wikipedia auch eine der reichsten. Sie gilt als wichtiger Wachstumsmotor des Silicon Valley - Larry Page und Sergey Brin (Gründer von Google), Len Bosack und Sandy Lerner (Cisco Systems), William Hewlett und David Packard (Hewlett Packard) sind nur einige von vielen Stanford-Absolventen, die weltweit erfolgreiche Unternehmen gegründet haben.

Elite-Wissen kostenlos und weltweit zugänglich

Schon länger wurde gefordert, dass die großen Universitäten auch soziale Verantwortung übernehmen. Stanford hat angefangen, dies in die Tat umzusetzen: Nicht nur, dass seit 2008 Bachelor-Studenten, deren Eltern nicht vermögend sind und deren Familieneinkommen unter 100.000 Dollar (ca. 75.000 Euro) liegt, keine Studiengebühren zahlen müssen. Auch wurden für einige Kurse Lern-Videos und andere Unterrichtsmaterialien online weltweit verfügbar gemacht (anywhere, anytime, on-demand). Nun hat die Stanford University noch eins drauf gesetzt: Sie bietet einige ihrer Kurse kostenlos und weltweit als Online-Kurse mit einem geregelten Ablauf, Hausaufgaben und Prüfungen an. "Mit dem Aufbrechen des Zugangs zu Bildung hoffen wir, jedem, der es will, mehr Lern-, Berufs- und Weiterentwicklungsmöglichkeiten zu geben", wird Professor Jennifer Widom, Vorsitzende des Fachbereichs Computer Science, die den Kurs "Introduction to Databases" hält, in den Stanford News zitiert.

Durchschnittlich etwa 100.000 Teilnehmer pro Kurs

Begonnen hat es im Herbst 2011 mit drei Kursen der Stanford Engineering School (eine von 7 Schulen der Stanford University) in Zusammenarbeit mit dem Stanford Center for Professional Development: "Introduction to Databases", "Machine Learning" und "Artificial Intelligence". Der Ansturm war riesig und schon bald war klar, dass pro Kurs 100.000 und mehr Lern-/Weiterbildungswillige teilnehmen würden. Spitzenreiter unter den Kursen war „Artificial Intelligence“ mit 160.000 Teilnehmern. Die aktuellen Kurse laufen noch bis Mitte Dezember 2011. Unter den Teilnehmern gibt es jugendliche Computerfreaks, Studierende von anderen Hochschulen, Berufstätige vom Fach, Berufstätige aus anderen Branchen, Arbeitslose, Rentner - und jeder ist willkommen. Es sind Menschen aller Altersklassen, mit völlig verschiedenen Motiven und ganz unterschiedlichem Hintergrund aus allen Ecken der Welt dabei - von Utah bis nach Kasachstan, von Kenia bis Guatemala. Aufgrund der hohen Besucherzahlen hat sich für diese kostenlosen, offenen Online-Kurse der Begriff MOOCs etabliert - MOOC steht für Massive Open Online Course.

Die MOOCs verwenden Technologien, die zum Teil in Stanford bereits vorhanden waren, um den regulär eingeschriebenen Studenten das Lernen zu erleichtern: Interaktive Videoclips mit eingestreuten Multiple-Choice-Fragen, zu denen man auch Erläuterungen abrufen kann. Die Idee dazu stammt von Daphne Koller, einer der Informatik-Professorinnen, die die Zeit mit den Studenten lieber produktiv für gemeinsame Problemlösungen, Gastvorträge u. ä. nutzen wollte - das Basiswissen sollten sich die Studenten mit Hilfe der Video-Clips in Eigenregie und in der individuellen Geschwindigkeit aneignen. Davon profitieren heute die Teilnehmer der Online-Kurse: Wissen in thematisch abgegrenzte Videohäppchen verpackt. Zur strukturierten Bewältigung des Unterrichtsstoffes gibt es dazu noch ein wöchentliches Lernpensum, wöchentliche Hausaufgaben (Multiple-Choice-Tests, Programmierübungen o. a. - abhängig vom Kurs) und zwei Prüfungen, eine in der Mitte und eine am Ende des Kurses. Doch letztendlich ist alles freiwillig. Der eine pickt sich nur einzelne Lernvideos heraus, der andere "studiert" mit vollem Einsatz, erledigt alle Hausaufgaben und zusätzlichen Übungen und nimmt an allen Prüfungen teil.

Für die Prüfungen gibt es jeweils ein Zeitfenster von mehreren Tagen. Während dieser Zeit dürfen die Lösungen nicht öffentlich diskutiert werden. Soweit es beobachtbar war, wurde sich bisher daran gehalten. Prüfungen können nicht verspätet abgegeben werden - das ist nur bei Hausaufgaben möglich (bei halber Punktzahl). Während die Hausaufgaben so oft wiederholt werden dürfen, wie man will bzw. bis man alles richtig hat, muss die Prüfung beim ersten Versuch vor Ablauf einer vorgeschriebenen Zeit abgegeben werden, sonst zählt sie nicht. Wöchentlich gibt es außerdem ein Video des Dozenten mit aktuellen Informationen zum Kursverlauf, Statistiken und Ankündigungen. Fragen stellen und miteinander austauschen können sich die MOOC-Teilnehmer über ein Frage-/Antwort-Forum. Viele haben sich zusätzlich über soziale Netzwerke vernetzt. Mitte November war Halbzeit und die Zwischenprüfung stand ins Haus. Mehr als 10 Prozent der MOOC-Teilnehmer nahmen die Herausforderung an und schwitzten über den teilweise anspruchsvollen Fragen. An der finalen Prüfung Mitte Dezember 2011 dürften etwa genauso viele teilnehmen.

Eine Stanford-Graduierung ist begehrt, aber...

Ein offizielles Stanford-Zertifikat oder die Anrechnung für eine Graduierung durch die Stanford University dürfen sich die Teilnehmer der kostenlosen Online-Kurse allerdings nicht erwarten. Wer das sucht, muss sich als regulärer Student der Stanford Universität (teilweise auch als Online-Kurse), z. B. an der Stanford School of Engineering, einschreiben. Ein weiterer Vorteil eines regulären Studiums liegt im direkten Kontakt zu den Dozenten und die dadurch intensivere Betreuung und Vernetzung. Absolventen der kostenlosen Online-Kurse erhalten im besten Fall eine Teilnahmebestätigung durch ihren Dozenten und sie dürfen sich darüber freuen, von den Dozenten einer Elite-Universität unterrichtet zu werden, ohne den eigenen Schreibtisch verlassen zu müssen, und sich außerdem mit Menschen aus aller Welt vernetzen und austauschen zu können.

Stanford - kostenlose Kurse 2012

Nicht nur aus Sicht der meisten Teilnehmer sind die drei aktuellen Kurse ein voller Erfolg, sondern auch die Dozenten scheinen das so zu sehen, denn für das neue Jahr wurde ein neues und breiteres Kursprogramm zusammengestellt (Beginn war für Januar 2012 geplant, verzögert sich aber; Laufzeit ca. 10 Wochen):
Offensichtlich interessieren sich auch Dozenten der Universität Berkeley für das Modell, denn sie bieten ab Februar einen Online-Kurs Software as a Service an.

Die MOOCs sind auf Bachelor- und zum Teil auch auf Master-Studenten zugeschnitten, also relativ anspruchsvoll, aber ohne Fachkenntnisse vorauszusetzen. Wer sich für eines der oben genannten Themen interessiert und einigermaßen Englisch versteht, bringt schon die nötigen Voraussetzungen für eine Teilnahme mit. Der Vorteil des Lernens über Lernvideos ist, dass man es jederzeit anhalten kann, um Begriffe nachzuschauen oder sich Notizen zu machen. Und wenn man sich ein Video 20 Mal anschaut ist das auch kein Problem – der Dozent im Lernvideo bringt jedes Mal die gleiche Freundlichkeit und Geduld mit. Dennoch sollen für die neuen Kurse die Videoinhalte zusätzlich als Text geliefert werden - für diejenigen, die Schwierigkeiten bei gesprochenem Englisch haben.

Stanford University - kostenlose Online-Kurse als Geschenk an die Welt?

Was hat die Stanford Universität von ihrem MOOC-Angebot, das ja einigen zusätzlichen Aufwand mit sich bringt? Soziale Verantwortung und persönliches Engagement der Dozenten sind sicherlich wichtige Aspekte, doch müssen es nicht die einzigen sein. Bisher decken die angebotenen Kurse zu einem großen Teil eher das Grundwissen in den Fachgebieten ab, aber theoretisch könnten herausragende Teilnehmer herausgefiltert und an suchende Unternehmen vermittelt werden. Bisher gibt es jedoch keinen Hinweis darauf, dass dies von Stanford tatsächlich geplant ist.

Auf jeden Fall vergrößert die Universität mit dem neuen kostenlosen Online-Angebot ihre Bekanntheit und sie verbessert ihre Reputation - ein Beispiel gelungener "Unternehmenskommunikation". Über die Stanford University (und die Dozenten) wird von den Kursteilnehmern in den sozialen Netzwerken berichtet, was dann zur Folge hat, dass auch in anderen (Online-) Medien darüber geschrieben wird. Ähnliches gilt auch für die MOOC-Dozenten, deren Engagement diese Kurse erst möglich macht: Sie ernten i. d. R. viel positives Feedback und werden international bekannt; als Folge daraus verkaufen sich möglicherweise ihre Bücher, sofern sie Fachbuchautoren sind, besser.

All das wird vermutlich auch einen positiven Einfluss auf die Zahl regulärer Stanford-Bewerber in der Zukunft haben. Doch auch die aktuellen Studenten und Studentinnen in Stanford profitieren - nicht nur, weil ihre Dozenten nun prominenter sind, was den Wert ihrer Zertifikate oder Diplome erhöhen könnte, sondern durch die gewonnene praktische Erfahrung - zum einen, weil die Infrastruktur für die Online-Kurse von den Dozenten mit einigen Studenten zusammen aufgesetzt wurden, zum anderen, weil man die Erfahrungen des Projekts an die Studierenden weitergeben kann.

Kostenlose Online-Kurse als Strategie gegen Fachkräftemangel?

Angesichts des Fachkräftemangels in Deutschland wäre eine derartige Bildungsoffensive - möglicherweise einer Universität oder anderen Bildungseinrichtung in Zusammenarbeit mit einem Unternehmen oder einem Unternehmensverband o. ä. - durchaus vorstellbar. Zwar sind die Teilnehmer nach ein oder zwei Kursen noch keine Fachkräfte, doch der erste Kontakt zu Interessierten wird geknüpft. Die Teilnehmer können während des Kurses zeigen, ob ihnen das Thema liegt und wie stark ihr Engagement ist, der Anbieter kann sich herauspicken, wen er dann im Betrieb zu Ende ausbilden will.

Die Stanford University hat gezeigt, wie es geht. Ihre Bildungsoffensive hat das Potenzial, eine Bildungsrevolution zu entfachen. Die deutschen Universitäten sollten die Gelegenheit nicht verschlafen.

Nachtrag:

Und so ging es weiter:

Dienstag, 8. November 2011

Google Plus Pages sind da

google-pages-vgwort
Ein Grund zur Freude - aber auch zu etwas Besorgnis

Das Unternehmen Google hat mich gestern einmal mehr begeistert - und zwar mit der Art, wie die neuen Business-/Marken-Pages (Google Plus Pages) eingeführt wurden: mit farbenfroher Muppets-Page als einer der ersten Pages - sozusagen The Muppets als Markenbotschafter, einem Muppets-Hangout, an dem jeder teilnehmen konnte, sowie einem quirligen Einführungsvideo - im Mittelpunkt ein cooler Fahrradshop, der nun glücklicherweise über Google Plus Page erreichbar ist. Sympathischer kann man sich als Unternehmen kaum präsentieren.

Viele Freiberufler und andere konnten es auch gar nicht abwarten und haben noch in der Nacht ihre Firmenseiten erstellt. Das war nicht schwierig, denn im Prinzip funktionieren die Google Plus Pages wie die Personenprofile. Einige Unterschiede in der Nutzung gibt es jedoch:
  • Eine Google Plus Page kann eine Person erst dann zu ihren Kontakten hinzufügen ("einkreisen"), wenn sie zuvor von der Person eingekreist wurde. 
  • Eine Google Plus Page hat einen +1-Knopf, als Page kann man anderen Pages oder Webseiten aber keine +1 erteilen - das können nur Personen. 
  • Personenprofile haben keinen +1-Knopf, aber als Person kann man Pages und Webseiten mit +1 bewerten. 
  • Eine Google Plus Page kann man mit seinen Kreisen oder öffentlich teilen. 
  • Als Page kann man keine Spiele spielen - dafür muss man in sein Personenprofil umschalten. 
  • Als Page kann man nicht mit erweiterten Kreisen ("extended circles") teilen. 
  • Google Plus Pages erhalten keine Benachrichtigungen. 
  • Google Plus Pages können auf mobilen Geräten (noch?) nicht an einem Hangout (Videokonferenz) teilnehmen. 
Google Plus (Google+): Profilansicht
Eva Schumann Text & Kommunikation (Beispiel)

Das sind nur Beispiele und manches mag sich im Laufe der Zeit bei den Google Plus Pages noch ändern, denn das, was gestern ausgespielt wurde, war nur der erste Wurf. Noch sind die Möglichkeiten zur Gestaltung der Google Plus Page sehr eingeschränkt und es fehlen Möglichkeiten, die Administration einer Seite an mehrere Personenprofile zu knüpfen oder an jemanden zu übertragen. Viele Marken stehen auch schon in den Startlöchern und warten auf Möglichkeiten für Ihre Pages im Stream von Personen werben zu dürfen etc. - worauf sich wiederum nicht jeder freut. Man darf gespannt sein, was sich Google noch einfallen lassen wird. Sehr erfreulich ist, dass - wie immer bei Google Plus - die Nutzer in die Entwicklung einbezogen werden und aufgerufen sind, Feedback und Verbesserungsvorschläge einzureichen.

Doch trotz aller Sympathie für Google, sollte man nicht übersehen, dass die Google-Suche bereits eine Quasi-Monopolstellung hat und dass der Konzern Google diese Monopolstellung durch Einbindung des eigenen Sozialen Netzwerkes Google Plus in die Google-Suche und in Google Adwords - und umgekehrt - noch weiter ausbaut. Auch die Google Plus Pages werden da eine große Rolle spielen. Diese Entwicklung ist meiner Meinung nach nicht im Sinne von Wettbewerb, Verbraucher oder Publisher. Doch im Grunde führt im Moment kein Weg an Google - besonders Google-Suche und Google Plus, aber auch den anderen Google Produkten - vorbei, wenn man im Netz sichtbar bleiben möchte. Und die Kreativität und Professionalität des Unternehmens verdient allemal Bewunderung.

Sonntag, 30. Oktober 2011

Google: Panda-Alarm

panda-vgwort

Googles Problembär macht Webseitenbetreibern und Bloggern das Leben schwer.

Schon das ganze Jahr über herrschte Panda-Alarm: In regelmäßigen Abständen wurden Webseitenbetreiber und Blogger von Meldungen aufgeschreckt, dass Google demnächst wieder eine Veränderung des Suchalgorithmus (ein so genanntes "Panda Update") ausspiele und damit sicher geglaubte Positionen in den Suchmaschinenergebnissen gefährdet seien. Und immer wieder wurden die SEO-Tipps von Google und den vielen SEO-Blogs wiedergekäut, mit denen man sich gegen eine schlechtere Positionierung wappnen könne.

Jeder, der nicht gerade eine Content-Farm (Website mit dünnem/minderwertigem Content und viel Werbung) betreibt, begrüßt es natürlich, wenn Google den Suchmaschinen-Algorithmus der Google-Suche optimieren will - auch ich: Immerhin kommen über 90 Prozent der Seitenbesucher, die über eine Suchmaschine zu meinen Seiten finden, über die Google-Suche. Doch die bisherigen Panda Updates haben gezeigt, dass nicht jede Veränderung der Suchmaschinenergebnislisten (SERPs, Search Engine Results Pages, genannt) diese tatsächlich verbessert haben. Oft genug trifft das Fallbeil nicht Content-Farmen, sondern "Unschuldige".

Panda Update: Ach, schon wieder?

Bisher sind diese Google Panda Updates an mir bzw. meinen tinto-Projekten spurlos vorübergegangen. Manchmal habe ich zwar einen leichten Rückgang bemerkt, aber der hat sich immer wieder verwachsen - die Ursache kann also auch woanders gelegen haben. Doch seit dem 14. Oktober 2011 ist mir das Lachen vergangen: Von einem Tag auf den anderen ist die Zahl meiner Besucher über Suchmaschinen um 40 Prozent zurückgegangen und meine sowieso geringen Adsense-Einnahmen sind um ca. 60 Prozent gesunken. Warum? Weiß ich nicht. Eine Recherche ergab, dass Matt Cutts am 14. Oktober 2011 in einem Tweet bestätigte, dass es am Vorabend ein kleineres Panda Update gegeben hatte.

Der zähe Kampf um Googles Gunst

Meine ältesten Webseiten sind seit 13 Jahren im Netz. In ihren Anfangszeiten gab es zu meinen Themen noch kaum andere deutschsprachige Informationsseiten, weswegen sie überall verlinkt wurden. Ich engagierte mich außerdem in Foren, um meine Webseiten bekannt zu machen, und ich schrieb Bücher zu den jeweiligen Themen, die auch bekannt wurden. (Manchmal waren auch erst die Bücher da und danach baute ich die Webseiten.)

Dann konnte ich die Webseiten aus beruflichen Gründen ein paar Jahre lang nur gelegentlich pflegen, aber nicht weiter ausbauen. Dass damals die Besucherzahlen abnahmen, verstand ich - das hatte ich ja schließlich nicht anders "verdient".

Doch seit ca. 18 Monaten arbeite ich hart an der Aktualisierung und Erweiterung der verschiedenen Themenbereiche (Garten, Geld & Börse etc.) meiner Website. Zuerst überarbeitete ich vor allem den Content (Texte und Bilder) - es heißt doch immer seitens Google: "Content ist King". Nach jeder Bearbeitung erwartete ich den Durchbruch: einen der vorderen Plätze in den SERPs und als Folge davon ein paar Werbeeinnahmen. Doch nichts passierte bzw. die Verbesserungen waren im Verhältnis zum Aufwand minimal. (Einfacher verlief die gezielte Platzierung von Blog-Postings, was sich allerdings monetär kaum auswirkte.)

Als nächstes begann ich, mich mit der Suchmaschinenoptimierung (SEO) auseinanderzusetzen - schraubte, feilte, feilte noch mal ... wartete wieder auf den Durchbruch. Doch wieder passierte nichts. Erst nach Wochen zeigten sich bei einigen Schlüsselwörtern/Suchwort-Kombinationen leichte Verbesserungen, nach Monaten hatte ich einige neue gute Plätze in den SERPs ergattert.

Nach 18 Monaten kam ich zu dem Schluss, dass ich im Prinzip wohl auf einem guten Weg sei - er dauere nur wahrscheinlich länger, als ich gedacht hatte. Aber ich kann zäh sein, wenn ich das Licht am Ende des Tunnels sehe.

Dann kam der 14. Oktober und ich wurde auf den Stand von vor 12 Monaten zurückgeworfen. Einfach so.

Seit dem 14. Oktober 2010 zerbreche ich mir den Kopf, was ich falsch gemacht habe:

  • Zu wenig Content?
    Zu wenig Inhalt kann nicht der Grund sein, denn ich habe teilweise sehr lange Texte und meistens Bilder zu den Artikeln. 
  • Probleme mit der Content-Qualität?
    Auch wenn vielleicht noch nicht jede Seite perfekt ist, nehme ich doch in Anspruch, dass meine Webseiten qualitativ hochwertigen Content, verständlich aufbereitet und von guter sprachlicher Qualität und Rechtschreibung bieten. 
  • Zu viel Werbung?
    Auch das kann nicht der Grund für die Abstrafung gewesen sein, denn immer wieder fordert mich Adsense dazu auf, doch mehr Adsense-Werbung auf meine Seiten zu setzen. 
  • Canonical Tags falsch gesetzt?
    Tatsächlich hatte ich kurz vor dem Einbruch an meinen Canonical Tags geschraubt - wieder in der Hoffnung auf einen Durchbruch. Die habe ich in der Zwischenzeit wieder zurückgesetzt, doch die Lage hat sich nicht verbessert. 
 Manchmal werde ich bei der Suche nach dem Grund für die Abstrafung durch Google schon richtig paranoid und ich frage mich, ob Google mich schlechter positioniert, weil ich auch anderen Werbepartnern Werbeplätze gebe. Oder vielleicht, weil ich den Google+-Button noch nicht überall eingebaut habe? Oder weil ich auch mal kritisch über das Google Monopol schreibe? Oder habe ich das bösen Mitbewerbern zu verdanken - haben die vielleicht auf von Google negativ bewerteten Seiten massenhaft verlinkt, damit ich abgewertet werde? Tatsächlich fand ich kürzlich bei einem Backlinkcheck tinto-Seiten auf mehreren polnischen und anderen osteuropäischen Seiten, die ich nicht kenne, verlinkt.

Google - was nun?

Bei aller Bewunderung für die Kreativität der Entwickler und für die unternehmerische Leistung von Google, frage ich mich zunehmend, ob es richtig ist, dass ein einzelnes Unternehmen ein Quasi-Monopol auf die Suche im Internet besitzen darf: Wie ein Torwächter kann Google die Sichtbarkeit jeder Webseite und jedes Blogs weltweit im Internet kontrollieren - und für die Sichtbarmachung entweder eine Art Wegezoll kassieren (Adwords) oder Regeln aufstellen und einfordern, die nicht überprüfbar sind (keine Transparenz, kein Schutz vor Böswilligkeit) bzw. deren Einhaltung man nicht einklagen kann.

Mein Fazit ist, dass ich - neben ein paar kleineren SEO-Anpassungen - vor allem versuchen werde, die Abhängigkeit von Google zu verringern: mehr Facebook, mehr Twitter, mehr XING, mehr Traffic über Verlinkungen, mehr Zusammenarbeit und Vernetzung mit anderen Webseiten und Blogs, mehr Einträge in Portalen etc.

Im März 2001 wurde das Telekom-Monopol aufgebrochen - ist so etwas nicht auch auf Google und seine Vormachtstellung anzuwenden oder schieße ich damit über das Ziel hinaus? Ich freue mich über Ihre Meinung in den Kommentaren.

Montag, 24. Oktober 2011

Das Internet hat auch Abgase

internet-vgwortAktualisiert am 27.07.2012
Und mit Abgasen meine ich nicht die CO2-Emissionen, sondern es geht um die negativen Auswüchse (Machtkonzentration, Ausbeutung, etc.) im oder dank Internet

Meine Empfindungen zum Thema Internet sind aufgewühlt. Da ist nicht mehr nur Begeisterung, sondern auch Unbehagen, nicht mehr nur Zuversicht, sondern auch ... Angst?

Seit einiger Zeit geht mir das im Kopf herum, aber ich konnte es nicht in Worte fassen und war mir auch gar nicht sicher, ob das irgendwen interessiert.

Nun hat aber Sascha Lobo einen schönen Artikel bei Spiegel Online (SPON) Meine Heimat Internet geschrieben. Beim Lesen des Artikels wurde ich an meine alten Internetzeiten in den 1990er Jahren erinnert - damals, als ich noch uneingeschränkt begeistert, wenn nicht gar besessen war, als ich es gar nicht erwarten konnte, morgens an meinen Computer zu gehen und dort zu erforschen, was und wer da draußen in den Weiten des Internets war und mich zu meinen Interessen auszutauschen: Was ist im Leben wichtig? Was macht man in der amerikanischen Bioszene gegen Blattläuse und Schnecken? Bringen Diäten überhaupt wem was? Wie kauft man eigentlich Aktien? Und wie kocht man Mangold?
Mit jedem, den ich kennenlernte, unterhielt ich mich über etwas anderes, je nach gemeinsamen Interessen - an unterschiedlichen virtuellen Orten im Internet, die ich über unterschiedliche Suchmaschinen und Verzeichnisse (Portale) fand.

Internet - so war's


Mein Weg war ein etwas anderer als der von Sascha Lobo, aber das Gefühl der Wärme und Heimat im Internet kenne ich auch sehr gut. Ich habe auch durch das Internet Gleichgesinnte, Freunde, Bekannte und sogar Lieben gefunden. Und einige sind tatsächlich Freunde fürs Leben geworden. Ich war am Anfang bei AOL, das damals damals einen einfachen Zugang zum Internet bot und in dessen internen Reich im Prinzip schon damals vieles wie in einem Social Network ablief (Foren, Chats, Konferenzen ...) - und als AOL-Scout war man zusätzlich in eine Gruppe eingebunden, die sich on- und offline vernetzte. Als der Internetzugang später auch ohne AOL einfach und preiswert möglich war, verließen ich und andere AOL - denn wofür über einen proprietären, kostenpflichtigen Bereich (damals ein Großkonzern) gehen, wenn doch da das große Internet war? Und es war ein Schritt in die Freiheit und zu unbegrenzten Möglichkeiten. (Weswegen es für mich manchmal schwierig zu begreifen ist, wieso manche der Später-Eingestiegenen zufrieden in Facebook sind und den Rest vom großen Internet kaum kennen).

The Thrill is gone?


Doch meine Begeisterung hält sich immer öfter in Grenzen: Ich mag nicht mehr "immer erreichbar" sein und die vielen Informationsströme, zu einem großen Teil zentralisiert über Angebote große amerikanischer Konzerne (Facebook, Google+), aber nicht themen-/interessensmäßig kanalisiert, lassen mich um Atem ringen. Ich brauche jetzt öfter mal eine Auszeit! Das hätte ich mir noch vor einigen Jahren nicht vorstellen können. Ist das nur das Ende einer Verliebtheit, ein Kater nach einer zu langen Party oder was? Was ist passiert?

Wie von uns Besessenen damals vorausgesehen, hat das Internet in fast alle Lebensbereiche Einzug gehalten, ist praktisches Werkzeug geworden, Medium, über das man in Echtzeit kommunizieren kann, es bietet Zugang zu Bildung weltweit, ermöglicht Preisvergleiche/Shopping ohne Grenzen und so weiter. Aber das Wichtigste: Es kann Nähe über weite Entfernungen schaffen.

Das Internet hat die Welt verändert und wird es noch weiter tun. Mit der Kommerzialisierung kann ich grundsätzlich leben, schließlich muss die Infrastruktur (z. B. die Arbeit der Entwickler) und die Informationsrecherche und -aufbereitung (Journalisten, Blogger etc.) ja irgendwie bezahlt werden, aber ...

Das Internet hat auch Abgase


Tatsächlich frage ich mich jetzt manchmal, ob andere Generationen, die den Aufstieg der Technologien ihrer Zeit (Auto, Flugzeug etc.) miterlebt haben, auch so empfunden haben, wie ich jetzt. Waren sie auch erst total begeistert und später bedrückt, als ihnen beispielsweise der Preis des Individualverkehrs wie Abgase/Luftverschmutzung, Zerstörung von Landschaft etc. bewusst wurden? Und welchen Preis nimmt man für was in Kauf?

Die schlimmsten Abgase des Internets für mich persönlich sind aktuell:

  • Cyberkriminalität
    Nicht nur nette Menschen und seriöse Unternehmen, sondern auch Terroristen, Mafia und Pädophilenringe organisieren sich bestens dank Internet. Ist Cyberkriminalität überhaupt beherrschbar, kann wenigstens so viel Schutz wie in real Life geboten werden? Und was ist der Preis dafür?
  • Cyberwars
    Staaten und Unternehmen bespitzeln sich über das Internet, von Staaten bezahlte Hackerarmeen und terroristische Hacker manipulieren Atomkraftwerke, bewaffnete Dronen u. ä. Leider keine Zukunftsvision, sondern schon Alltag.
  • Cybermobbing
    Menschen haben leider auch schlechte Eigenschaften. Und da kann das Werkzeug Internet/Social Media wie ein Katalysator wirken. Wie können potenzielle Opfer besser auf das Internet vorbereitet und geschützt werden?
  • Kommerzialisierung bis zur Perversion
    Konsumenten können dank Datensammlung und -verwertung seitens der Unternehmen bis zum letzten Tropfen kommerziell ausgelutscht werden. Inhalte sind oft nur mehr der Rahmen für Werbeplatzierung mit der Folge, dass auf Qualität nicht wirklich Wert gelegt wird, dass viel geklaut und gescraped wird. Ernsthafte Journalisten werden zu Content-Sklaven degradiert oder von solchen ersetzt. Auch die Suchergebnisseiten zeigen manchmal schon mehr Werbung als Suchergebnisse - sichtbar ist, wer zahlt oder viele bezahlen kann (siehe auch Google: Panda-Alarm). Welche Auswirkungen wird all das auf Bildung, Kultur und Gesellschaft haben?
  • Ständige Verfügbarkeit als Verpflichtung
    Burnout hat sicher viele Ursachen - neben dem Abbau sozialer Netze und der pauschalen Ächtung von Hartz-4-Empfängern durch weite Teile der Politik und Gesellschaft in den letzten Jahren halte ich auch die Verpflichtung zu ständiger Verfügbarkeit in vielen Berufen als einen der Auslöser für Burnout.
  • Zerstörung von heimischen Arbeitsplätzen, Förderung von Ausbeutung, Verödung der Stadtzentren durch E-Commerce
    Einerseits ist es toll, dass das Internet mehr Transparenz schafft und E-Commerce das Einkaufen überregional ermöglicht - günstige Preise, mehr Auswahl etc. Doch dadurch, dass die meisten Konsumenten nur das Billigste - oft in Billiglohnländern mit Kinderarbeit, ohne lästige deutsche Sicherheitsbestimmungen und mit (noch mehr) Arbeitnehmerausbeutung produziert - per Internet kaufen, gehen einheimische Produzenten und der lokale (Einzel-)Handel - also die heimischen Arbeitgeber - pleite. Wenn überwiegend im Internet gekauft wird, dann veröden auch irgendwann die Stadtzentren. Die durch den neuen Trend in Deutschland geschaffenen Arbeitsplätze wie die der Paketdienstfahrer sind größtenteils ausbeuterisch. (Interessanter Artikel: ZDF-Enthüllung: Die verlogene Empörung über Amazon, Zalando und Co.)
  • "Öse" Internet
    Wenn das Internet ausfällt (und es fällt aus, wenn der Strom ausfällt), liegt unser aller Leben in jeder Hinsicht lahm - nicht für ein paar Stunden oder Tage, sondern richtig lange. Es gibt verschiedene Katastrophen-Szenarien - z. B. Sonnenstürme, die Transformatoren über Monate lahm legen können (kein Strom, keine Heizung, kein Trinkwasser ...), die erwartete Änderung des Erdmagnetfeldes ... etc. Bitte bei Interesse selbst recherchieren. Und bitte sagt mir, dass ich nur paranoid bin - und alles, was ich darüber gelesen und gesehen habe, nur Quatsch ist.
  • Mega-Social-Networks wie Facebook und Google+/Google
    Das eine fürchte ich, weil es wie ein universeller Internetstaubsauger alles in sich hineinsaugen will, im anderen sehe ich einen Internetkraken, der über die Integration von Suche, Social-Media, Online-Marketing-Plattform, Applikationen und Daten in der Cloud alles außerhalb von Facebook beherrschen will. Ja, auch ich liebe Google als kreative Firma, aber ... ! Bei beiden: Macht und Einfluss hat, wer stark vernetzt ist oder genug Geld hat, um teure Werbung zu bezahlen. Wobei das "stark vernetzt" und "wer das Geld hat" oft auf das Gleiche hinausläuft, denn wer das Geld hat, leistet sich eben 30 Social-Media-Mitarbeiter, die für Vernetzung sorgen.
  • Ein-Kanal-Kommunikation bei den Mega-Social-Networks
    Sowohl bei Facebook als auch bei Google+ muss ich mich mit allen über alles auseinandersetzen. Wenn ich mit jemandem verknüpft bin, dann kriege ich seine Statusmeldungen, egal zu welchem Thema. Aber will ich mich mit jemandem über Politisches auseinandersetzen, weil ich mit der Person wegen Gartenfragen vernetzt bin? Nein.
  • Verknüpfung der Suche mit den Kontakten im Social Network
    Will ich bei einer Recherche für ein politisches Thema auf Seiten hingewiesen werden, die jemand gut findet, mit dem ich wegen der Begeisterung für rosa Duschhauben verknüpft bin? Nein.
  • Vernetzung als (politische) Macht an sich
    Internet/Soziale Netzwerke hat Menschen geholfen, sich zu organisieren und von totalitären Machthabern zu befreien - das ist gut. Aber ebenso beobachte ich, wie schnell sich unqualifizierte, populistische Meinungen oder nicht verifizierbare Informationen verbreiten. Auch die Mentalität "Schuld sind immer nur die anderen" verbreitet sich nach meinem Eindruck immer mehr in den Mega-Social-Networks. Kultur des Mobs? Ja, ist provokativ gemeint. Dazu kommt noch, dass nicht nur Menschen im Netz unterwegs sind, sondern auch Social Bots, die agieren, als seien sie Menschen, aber doch vor allem zur Manipulation eingesetzt werden.
  • Menschen bzw. ihre Daten als Produkt
    Datenstaubsauger für bessere Services und zur optimierten kommerziellen Ausschlachtung von der Wiege bis zur Bahre versus Datenschutz, Schutz der Privatsphäre, Schutz vor Kriminellen.
  • Großunternehmen werden reicher, Kreative werden ärmer
    Einerseits können Großunternehmen mit Monopolstellung mangels nennenswerter Konkurrenz Preise diktieren - wie Google bei den Google Adwords Preisen bzw. wie viel von den Werbeeinnahmen auf werbefinanzierten Themenseiten und Blogs der Autor/Webseitenbetreiber bekommt, der Google Adsense integriert, und wie viel Google für sich behält. Dadurch werden Monopolisten enorm reich, können sich Entwickler ohne Ende leisten und in Folge kostenlose Services anbieten - wodurch auch in diesem Markt die lästige Konkurrenz kaputtgeht. Andererseits basieren viele Service-Angebote dieser Mega-Unternehmen auf der Arbeit von anderen (Medien, Journalisten), ohne dass diese davon so viel Vorteil haben, dass Journalisten und andere Beteiligte angemessen bezahlt werden können.
  • Internet als Goldenes Kalb
    Ich krieg die Krise, wenn von einer neuen viel besseren Gesellschaft dank Internet gesprochen wird, in der Menschen friedlich und ohne feste Struktururen sich selbst organisieren, ähnlich wie bei Ameisenstaaten - statt der Pheromone haben wir ja das Internet. Also ehrlich - was rauchen die denn? Schließlich sind das im Internet Menschen so wie draußen ... Bei näherem Überlegen, gebe ich aber zu, dass es solche Visionäre braucht, denn ohne Visionen und Vordenker - manchmal eben extremer Art - gibt es keine Weiterentwicklung. Dass man sich aber kritisch mit ihren Ideen auseinandersetzen muss, zeigt der Netzdiskurs: Das Elend der Internetintellektuellen von Evgeny Morozov in der FAZ.

Aber trotzdem - bis auf den letzten Punkt, dass natürlich jeder denken soll, Visionen haben darf und Vorschläge machen soll: Je mehr ich über manche der Entwicklungen nachdenke, desto frustrierter bin ich, denn einerseits bin ich von der Entwicklung in Bezug auf die Technologien begeistert - Google macht coole Sachen - und natürlich auch nach wie vor von der privaten und beruflichen Vernetzung als Austausch zwischen Menschen, der Menschen stärker und klüger machen kann, begeistert - aber gleichzeitig fürchte ich manchmal, wir fahren da auf eine Wand zu. Ist denn diese zunehmende Machtkonzentration im Internet auf ein paar amerikanische Mega-Konzerne, die einerseits bestimmen, was überhaupt sichtbar ist (Google, Facebook), andererseits wie wir konsumieren (Amazon, Apple etc.), nicht noch schlimmer als die Macht der Banken?

Digitale Eingeborene - wir müssen kämpfen


Ich finde ja, Digital Natives sind nicht Jugendliche und junge Erwachsene, nur weil diese aufgewachsen sind, während es das Internet schon gab. Digital Natives sind meiner Meinung nach wir, die wir mit dem Internet zusammen gewachsen und zusammengewachsen sind. Wir sind hier die Eingeborenen - wir sind im Internet heimisch. Müssen wir Digital Natives nicht langsam auch gegen die Machtkonzentration im Internet wirken und auch den Nachgeborenen von dieser Gefahr erzählen - bevor wir zu den Digital Endangered gehören?

Welche Möglichkeiten haben wir? Ich fang mal mit ein paar kleinen Ideen an. Ich würde mich freuen, wenn andere ihre als Kommentare hinzufügen würden - oder ihr schreibt mir, dass ihr mich für paranoid haltet.

  • Die Vielfalt bei Social Networks unterstützen:
    Es geht nicht darum, ob Facebook, Google+, Twitter oder sonst wer besser ist für alles. Wir brauchen viele Social Networks: Xing soll bleiben, Diaspora, Twitter, kleine Berufsgruppen-Netzwerke (z. B. Texttreff, Gulp) - und ja, auch Facebook!
  • Alternative Suchmaschinen (Bing, Ecosia etc.) und Meta-Suchmaschinen (z. B. Metager) nutzen
  • Viele Browser einsetzen und nicht nur einen nutzen
  • Websites, Blogs, Foren und andere dezentrale Möglichkeiten zur Meinungsäußerung, Vernetzung und Diskussion nutzen

Aber reicht das, um - um beim Vergleich mit den Abgasen der Autos zu bleiben - die "Klimaerwärmung" zu verhindern? Kann man sich auf den guten Willen von Staaten, Unternehmen und das Gute im Menschen verlassen (rhetorische Frage)? Muss gegen Machtkonzentration nicht an gesetzlichen Stellschrauben gedreht werden - länderübergreifend? Und müssen wir da nicht langsam drauf drängen, bevor wir den Karren soweit vor die Wand gefahren haben wie beim Klimaschutz oder vor so einem Chaos stehen wie derzeit in Sachen Euroländer-Schuldenkrise/-Bankenkrise? Und müssen wir als Konsumenten nicht auch unser Verhalten stärker reflektieren und anders konsumieren?

Und das wären erst einmal nur mögliche Antworten auf nur einige der oben in der Liste erwähnten Abgase.

Samstag, 8. Oktober 2011

Online-Vorlesungen der Elite-Universitäten für jeden!

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Kommunikation zwischen Menschen findet nicht nur von Angesicht zu Angesicht, sondern auch über Medien statt. Auch Lehren und Lernen sind Kommunikation und schon lange nicht mehr auf Präsenzunterricht beschränkt. Alternativen zum Vortrag im Hörsaal, Seminarraum oder Klassenzimmer sind schriftliche Unterrichtsmaterialien, computerbasiertes Lernmaterial und vieles mehr, was schon seit langem von Fernhochschulen und Fernstudienanbietern/Fernlehrinstituten genutzt wird. Dank Internet sind noch viele Möglichkeiten hinzugekommen, beispielsweise im Internet abrufbare Lern-Videos, Video-Streaming aus Hörsälen über das Internet, Seminare mit Hilfe von Online-Konferenz-Plattformen, Online-Quizzes/-Prüfungen etc.
Zunehmend bieten nicht nur Fernuniversitäten/Fernstudien-Anbieter, sondern auch reguläre Hochschulen Fernstudienmöglichkeiten an - von einzelnen Kursen bis kompletten Studiengängen - so auch manche der bekannten Elite-Universitäten.

Online-Vorlesungen in Harvard


Für mich war es viele Jahre ein Traum, erstens in Harvard (Cambridge/Massachusetts (USA)) und zweitens Informatik zu studieren. Dank Internet konnte ich mir diesen Traum 2009 im Kleinen erfüllen: Ich meldete mich zu dem Computer-Science-Kurs "Building Scalable Dynamic Websites" an, den die Harvard University Extension School nicht nur als Präsenzkurs, sondern gleichzeitig als Internet-Fernkurs anbot. Der Kurs war zwar mit 1.430 Euro teuer, aber er war meiner Meinung nach sein Geld wert: Sowohl die Online-Vorlesungen (die über Video-Streams übertragen wurden), als auch die Seminareinheiten (über eine Online-Konferenzplattform) sowie die gesamte Betreuung durch den Professor, mehreren Seminar-Dozenten und einigen Assistenten per E-Mail, Foren und Chat-Funktionen waren ausgezeichnet und ich habe sehr viel gelernt (Erfahrungsbericht Fernkurs Harvard). Am Ende hatte jeder Teilnehmer vier verschiedene Projekte programmiert - wobei man das letzte selbst vorschlagen und dann nach Freigabe durch Professor und Dozenten verwirklichen durfte (und jeder hat sich etwas ausgedacht, das die Kursinhalte nutzte und hinterher tatsächlich einsetzbar war).
An dem Kurs teilnehmen konnte jeder, der sich rechtzeitig angemeldet und per Kreditkarte bezahlt hat. Empfehlen würde ich es nur jemandem, der einigermaßen gut Englisch spricht und gewillt ist, sich durchzubeißen, denn die Anforderungen sind hoch und die Projekte, die man statt Prüfungen erstellen musste, waren - zumindest für mich, die kaum Programmiererfahrung hatte - sehr schwierig.

Online-Vorlesungen in Stanford


Seit ich den Kurs in Harvard gemacht hatte, liebäugelte ich mit weiterer Online-Fortbildung - entweder in Sachen Schreiben oder in Sachen Programmieren, denn beides kann ich für meine Veröffentlichungen und Online-Publikationen (tinto) nutzen. Aber das liebe Geld und das ewige Zeitproblem standen dem im Weg - bis ich von einem kostenlosen Datenbank-Kurs der Stanford University (genauer: der Stanford Engineering School mit ihrem Weiterbildungsangebot (extended education)) im Rahmen ihres Open-Classroom-Projektes erfuhr, an dem tausende Teilnehmer weltweit teilnehmen können. Diese kostenlosen Open-Classroom-Kurse können zwar nicht für eine Graduierung genutzt werden, aber es würde sicher eine tolle Erfahrung sein, an einem weltweiten Experiment teilzunehmen. Die Stanford University gilt immerhin als einer der Wachstumsmotoren des Silicon Valley/Kalifornien (USA) und ihre Professoren sollen zu den besten der Welt gehören. Ich meldete mich an.

Mein Kurs Introduction to Databases hat offiziell Anfang Oktober 2011 angefangen, aber ich bin beeindruckt, wie professionell und pannenfrei alles abläuft - trotz der sehr vielen Teilnehmer (inzwischen ca. 80.000 mit weiter steigender Tendenz) aus allen Ländern der Welt. Wir lernen über Video-Vorträge und bereitgestellte oder empfohlene Unterrichtsmaterialien, machen Online-Multiple-Choice-Tests (Quizzes) und Übungen (Exercises), die benotet werden, und müssen in der Mitte und zum Schluss jeweils eine Prüfung (Examen) absolvieren. Zwar winkt am Ende kein akademischer Grad (non-credit course), sondern nur eine Teilnahmebestätigung durch die Professorin, wenn man bis zum Ende durchgehalten und alle Tests und Prüfungen erfolgreich bewältigt hat - aber man lernt sehr viel und kann sich mit Menschen aus aller Welt vernetzen. Da ich dank des Harvard-Kurses kein blutiger Anfänger mehr bin, sollte ich das Pensum auch mit ein paar Stunden pro Woche schaffen - und insgesamt dauert der Kurs nur 3 Monate. Toll finde ich, dass die Unterrichtsmaterialien und die ersten Tests schon sehr früh online gestellt wurden, so dass man vorarbeiten konnte, und dass man flexibel ist, wann man was macht - es gibt nur Etappen-Deadlines, bis wann man welche Tests und Übungen gemacht haben sollte und für die Examen werden kleinere Zeitfenster geöffnet. Der Kontakt zu den Mitstudenten, der Professorin und Ihrem Team erfolgt über FAQs (Frage-Antwort-Listen), Frage-Antwort-Forum, Newsletter und Youtube-Videos ("Screenside-Chat"). Die Studenten untereinander vernetzen sich darüber hinaus in Eigenregie über ein weiteres Forum und Google+.

Online-Vorlesungen ermöglichen individuelleres Lernen


Bei beiden Kursen empfand/empfinde ich es als sehr positiv, meine Zeit frei einteilen und das Lernen an meinen (Berufs-)Alltag anpassen zu können. Da die Informationen hauptsächlich über Video-Vorträge vermittelt werden (auch Live-Video-Streams von Vorträgen waren später im Video-Archiv verfügbar), ist das Lernen wesentlich angenehmer und konzentrierter als bei reinem Präsenzunterricht, da man ein Video jederzeit anhalten kann, um sich in Ruhe Notizen zu machen, einen Begriff nachzuschauen oder um den letzten Gedankengang noch einmal in Ruhe nachzuvollziehen.

Online-Vorlesungen aus Sicht der Universitäten


Aus Sicht der (Elite-)Universitäten sind Online-Vorlesungen auch eine Art der "Unternehmens-"Kommunikation - mit ihnen zeigen sie beispielsweise ihr Können, ihre Methoden und dass sie mit der Zeit gehen. Mit dem Anbieten von Online-Vorlesungen verbessern sie ihren Bekanntheitsgrad und ihre Reputation und sie können neue Zielgruppen ansprechen. Die Nutzung digitaler Medien macht vermutlich auch Auswertungen des Lernverhaltens und dadurch wiederum weitere Verbesserungen bei der Wissensvermittlung möglich. Über Newsletter und/oder entsprechende Online-Angebote (Kommunikationsplattformen, Social Media) kann der Kontakt zu Absolventen und zwischen Absolventen auch nach Abschluss der Kurse bzw. eines Studiums aufrechterhalten werden.

Online-Vorlesungen - auch eine Möglichkeit für deutsche Hochschulen und Unternehmen?


Fachkräfte sind umkämpft und angesichts des Fachkräftemangels könnten Online-Vorlesungen bzw. Online-Fortbildungen, die von deutschen Hochschulen und/oder Unternehmen angeboten werden, möglicherweise ein Weg zur Kontaktherstellung, Ausbildung und Rekrutierung von möglichen Fachkräften sein. Allerdings setzt das Anbieten von Online-Vorlesungen und -Prüfungen die nötige Infrastruktur in höchster Qualität voraus - sowohl technisch, als auch personell - um die oben erwähnten Kommunikationsziele zu erreichen. Plattformen wie Lecturio bieten Unternehmen, Experten etc. Möglichkeiten zur Aufzeichnung und Bereitstellung von Lernmaterial - sie können zumindest eine (Überbrückungs-)Hilfe sein. Deutsche Hochschulen und Unternehmen müssen aufpassen, dass sie bei diesem Trend nicht den Anschluss verpassen.

Nachtrag:
Aus der Initiative der Stanford University entstanden 2012 zwei Start-ups: Coursera und Udacity - zwei MOOCs-Plattformen. MOOC steht für Massive Open Online Course.
Hier gibt es weitere Erfahrungen und Informationen:




Dienstag, 27. September 2011

Browser - vom Single-Browser-User zum Multi-Browser-User

Praktisches, Privatsphäre, Suchergebnislisten/Filterbubble, trackende Netzwerkebrowser-vgwort

Browser - es kann nur einen geben?

Für manch einen ist die Wahl des Internet-Browsers eine Frage der Weltanschauung. Ich bin da schon immer eher pragmatisch und ein Out-of-the-Box-User - d. h. ich kaufe mir gerne fertige Hardware-Software-Pakete und fange sofort mit dem Schreiben an, ohne Installationsaufwand. Da Windows und Internet Explorer bei meinen Notebooks immer schon dabei waren, hab ich mir um den perfekten Browser nie einen Kopf gemacht: Internet Explorer war da und Internet Explorer habe ich genutzt.

Trend zum Zweit-Browser

Erst als ich einen Fernkurs in Programmierung (-> meine Harvard-Fernkurs-Erfahrung) machte, musste ich mich zwangsläufig um das Thema Browser kümmern, denn die programmierten Webseiten sollten in jedem Browser gleich aussehen. Ein schwieriges Unterfangen (weil jeder Browser HTML-Code anders interpretiert - besonders bockig ist da der Internet Explorer), worauf ich hier aber nicht näher eingehen will, sondern darauf, dass ich nähere Bekanntschaft mit anderen Browsern machte - und das war gut so.

Am Mozilla-Browser Firefox begeisterten mich sofort die vielen Add-ons (Erweiterungen), besonders die, die bei der Webseitenprogrammierung helfen (Firebug, Live HTTP Headers und viele andere). Später kamen die Add-Ons für die Suchmaschinenoptimierung (Seach Engine Optimization, SEO) - z. B. das SEOQuake-Add-On hinzu. Safari und Opera dagegen haben bei mir zunächst keinen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Mein Haus- und Hof-Browser für den Alltag blieb allerdings der Internet Explorer, denn die bei mir permanent aktivierten Add-Ons des Firefox verlangsamen natürlich seinen Seitenaufbau, weil zusätzliche Informationen von zusätzlichen Servern geholt und verarbeitet werden müssen. Außerdem nutzten meine Seitenbesucher überwiegend den Internet Explorer und ich wollte meine Webseiten bzw. das Internet so sehen wie sie.

Browser - aller guten Dinge sind mindestens drei!

Die nächste Änderung in meiner Browser-Nutzung kam mit Google Plus. Auch hier waren es vor allem die Erweiterungen (die das Google+-Nutzererlebnis verbesserten), die mich dazu brachten, Chrome dauerhaft zu installieren.

Als ich dann durch Artikel über die Veränderung des Netzes allgemein, über das User Tracking (Google Suche, Google Adsense und andere Werbenetzwerke) und speziell über die Datenschutzproblematik mit Facebook noch stärker sensibilisiert wurde, was die Dominanz und die Daten-Saugkraft mancher (Social-Media-) Plattformen betrifft, habe ich mich für einen vierten Browser entschieden: Opera.

Nachtrag: Nachdem ich im Frühjahr 2014 Malware, darunter einen Sparkassen-Trojaner auf dem Rechner hatte, habe ich auch noch Safari als fünften Browser installiert.

Welchen Browser für was nutzen?

Ich habe mich also vom Single-Browser-User zum Multi-Browser-User entwickelt. Und auf jedem Browser nutze ich auch eine andere Suchmaschine.

Die Browser meiner Wahl, die täglich auf meinem Notebook im Einsatz sind:

  • Internet Explorer
    Internet Explorer ist für mich immer noch mein Alltagsbrowser: für Twitter, Xing und Internet-Recherchen (aber ich lösche die Cookies regelmäßig, nutze die Google-Suche nur selten und ohne Anmeldung, sondern statt dessen Bing oder andere Suchmaschinen/Suchsysteme wie metager.de).
  • Firefox
    Firefox nutze ich hauptsächlich für die Webseitenerstellung und für SEO-Checks, aber auch für Recherchen. Wenn ich eine Suchmaschine benötige, nehme ich eine der vielen Alternativen zu Google.
  • Google Chrome
    Chrome nutze ich ausschließlich für Google+ und andere Google-Produkte (Google Analytics, Adsense, Reader, E-Mail mit Buzz etc.). Als Suchmaschine nutze ich nur in diesem Browser die Google-Suche mit Anmeldung.
  • Opera
    Opera ist jetzt mein Facebook-Browser - und zwar ausschließlich. Dort nutze ich nur die Facebook-interne Suche.
  • Safari
    Seit ich einen Sparkassen-Trojaner hatte - keine Sorte, es ist nichts passiert - nehme ich Safari für das Online-Banking in der Hoffnung, dass dieser Außenseiter-Browser weniger die bösen Hacker anlockt.

Browser und Social Media - Privatsphäre

Wie oben schon angesprochen, kann Social Media bzw. der Schutz der Privatsphäre bei deren Nutzung ein guter Grund sein, mehr als einen Browser zu nutzen.

Will man nicht, dass Facebook weiß, wo man außerhalb von Facebook rumsurft, sollte man sich grundsätzlich ausloggen, wenn man Facebook verlässt, denn sonst meldet jede Webseite, die den dynamischen Like-Button eingebaut hat, wo man ist, und Facebook speichert die Information, nutzt sie zur Profilerstellung und vermutlich für seine und Drittanbieter-Werbung. Ähnliches gilt auch für Google/Google+ und manche anderen trackenden (Social-/Werbe-) Anwendungen.

Interessant in dem Zusammenhang ist ein Artikel über die Veränderung des Netzes (It's the end of the web as we know it) mit einem Link darin zu einem Artikel über Facebook (Logging out of Facebook is not enough).

Manche Internetnutzer gehen einen anderen Weg als ich mit meinen 4 5 verschiedenen Browsern (und verschiedenen Suchmaschinen) und versuchen, einen Browser für ihre private Nutzung völlig clean zu halten, indem sie sich mit diesem Browser nie irgendwo einloggen, alle Cookies regelmäßig löschen und den Browser in regelmäßigen Abständen sogar komplett deinstallieren und neu installieren.

Doch bieten Browser auch Schutzfunktionen: Nutzt man bei Internet Explorer "InPrivat", werden keine Daten über die Browsersitzung gespeichert - keine Cookies, keine temporären Internetdateien, Verläufe etc. (Allerdings wurde Google vor kurzem vorgeworfen, solche Nutzereinstellungen ignoriert zu haben - ob das stimmt, kann ich nicht beurteilen). Eine ähnliche Privat-Funktion gibt es auch bei Mozilla (privater Modus), Opera (privater Tab) und bei Chrome (Inkognito-Fenster). Für Chrome und Firefox gibt es außerdem Erweiterungen, die man installieren kann, damit sie verhindern, dass Facebook, Google, Twitter etc. ihre Tracking-Cookies ablegen (siehe Facebook is tracking ...).

Browser bieten Privatsphare-Schutz - erreichbar
über einen Klick mit der rechten Maustaste
auf das Browsersymbol in der Taskleiste

Browser und Social Media - Suchergebnislisten

Die Vernetzung mit anderen Teilnehmern bei Google+ und über andere Google-Produkte schlägt sich über den Google-Suchalgorithmus auf die Google-Suchergebnislisten nieder. Suche ich beispielsweise nach einem politischen Thema, dann wird mir auf Platz 1 der Suchergebnisse angezeigt, was jemand, mit dem ich bei Google+ über ein fachliches Themen diskutiert habe, zu diesem politischen Thema geteilt hat. Aber will ich das?

Vernetzung ist doch nicht gleich Vernetzung - mit dem einen tausche ich mich über das Schreiben, mit dem anderen über Garten, mit wieder anderen über Suchmaschinenoptimierung, Datenbanken oder Existenzgründung aus.

Es stört mich inzwischen schon innerhalb von Google+, dass ich von Leuten, die ich fachlich in einem bestimmten Thema sehr schätze, ständig politische Ansichten lesen muss, die ich teilweise überhaupt nicht teile, und dies nicht abstellen kann, will ich nicht auch den fachlichen Kontakt im Netzwerk verlieren. Ich möchte aber auch nicht, dass meine Suchergebnisse von Vernetzungen beeinflusst werden. Erst wenn der Social Graph nach Interessen aufgesplittet werden würde, würde das überhaupt einen Sinn machen - wenn man es denn überhaupt mag.

Zum Thema Digitale Deutungshoheit - Die Macht der Vernetzung hat sich Sascha Lobo ein paar interessante Gedanken gemacht. Jedenfalls: Vor ein paar Wochen stand ich der Social-Komponente im Suchalgorithmus noch skeptisch bis leicht ablehnend gegenüber, weil ich dachte, da schwimmt dann jeder in seiner eigenen Suppe (gleiche einseitige Sicht der Welt mit seiner Peergroup), aber inzwischen macht mir diese nicht qualifizierte Macht, die manche aufgrund ihrer starken Vernetzung erhalten, auch Angst - eine Macht die auf Vernetzungsquantität statt Vernetzungsqualität (in Bezug auf das gesuchte Thema) basiert.

Ich bevorzuge beim Googlen/Recherchieren i. d. R. eine "social-unbeeinflusste" Suchergebnisliste, denn ich will nicht in einer Filterbubble leben - es reicht doch schon, dass das menschliche Gehirn selektiv wahrnimmt, da will ich nicht auch noch eine Suchmaschine, die nach einem Algorithmus, den ich nicht kenne, vorsortiert - aber das muss jeder selbst entscheiden. Für mich ist dies jedenfalls auch ein Grund, warum ich nicht mehr mit dem Browser google, mit dem ich Google+ und andere Google-Produkte nutze, sondern einen anderen Browser verwende und/oder ich nutze oben beschriebenes InPrivat-Browsen (bzw. Inkognito-Fenster, privaten Modus etc.). Aber abgesehen davon, gibt es ja auch noch andere Suchmaschinen als Google (Bing.com, Duckduckgo.com, StartPage.com etc.) und es gibt Meta-Suchmaschinen (z. B. www.metager.de). Darüberhinaus nutze ich das Opt-Out-Verfahren, das von der Network Advertising Initiative (NAI) angeboten wird, um nicht ständig mit Werbung bombadiert zu werden, die mit einem Thema zusammenhängt, das ich kürzlich mal gesucht oder bei dem ich Werbung angeklickt habe, das mich aber heute nicht mehr interessiert.

Mein Browser-Fazit


Es gibt gute Gründe, mehr als einen Browser zu nutzen:

  • Effizienteres Arbeiten, wenn jeder Browser entsprechend seiner Vorteile eingesetzt wird
  • Schutz der Privatsphäre
  • Suchergebnislisten ohne Social-Komponente
  • Mit anderen Maßnahmen zusammen: um interessenbezogene Werbung zu verhindern
Ich finde es zudem praktisch, dass man durch den Einsatz verschiedener Browser etwas mehr Überblick in der Taskleiste hat, weil man durch die Browser-Aufgaben-Zuordnung eine Vorsortierung hat.

Wer hat weitere Browser-/Privatsphäre-Tipps oder eine Meinung?



Sonntag, 4. September 2011

Facelinking: Den Blog mit dem eigenen Gesicht bewerben

Kürzlich wurde ich per E-Mail kontaktiert, ob ich nicht meinen Blog "Text & Kommunikation" bei FACELINKING vorstellen möchte. Ich rief die URL auf und fand ein Linkverzeichnis der etwas anderen Art: Ich blickte in eine Fotogalerie voller interessanter Gesichter. Mit einem Klick auf ein Foto wurde ich zu einem Artikel weitergeleitet, in dem die abgebildete Person sich selbst und ihren Blog ausführlich vorstellte. Beim zweiten Hinsehen sah ich, dass es auch Kategorien gab, die man zum Stöbern nach Themen nutzen kann.

Ich fand den FACELINKING.com-Internetauftritt sympathisch und professionell - und freute mich über die Möglichkeit, hier potenzielle Leser für meinen Blog zu finden und auch einen Backlink (Blog bekannt machen) zu erhalten. Also machte ich mit!

Bei meiner Recherche fand ich heraus, dass Facelinking noch ganz jung ist - die Domain wurde erst im April 2011 angemeldet. Auffällig ist, dass es auf der Site überhaupt keine Werbung gibt und bis jetzt kein Geschäftsmodell erkennbar ist. So viel Arbeit nur aus Spaß an der Freud?

Ich entschloss mich, Michael Hebenstreit, den Betreiber von FACELINKING.com zu interviewen. Hier meine Fragen (kursiv) an ihn und seine Antworten:

Warum wurde Facelinking von Dir ins Leben gerufen? Was war der Anlass und was die Intention?

Hallo Eva, ich möchte mich zuerst bei Dir für dieses kleine Interview und die Möglichkeit, FACELINKING.com kurz auf deinem Blog vorzustellen, bedanken. Das Projekt entstand eher aus einer Laune heraus. Ich hatte die letzten Jahre immer mal wieder ein paar Ideen für ein kleines Internetprojekt, aber hatte nie wirklich Zeit und Lust etwas umzusetzen. Irgendwann, als ich auf einem der vielen Webkataloge gelandet war, hatte ich die Idee zu FACELINKING.com. Herkömmliche Blogverzeichnisse und Webkataloge fand ich irgendwie langweilig und auch relativ unattraktiv, um auf der Seite zu verweilen. Ich wollte ein Portal kreieren, auf dem sich Blogger, Webmaster, Entertainer und Unternehmer gleichermaßen persönlich vorstellen und ihr Internetprojekt präsentieren können. Es sollte allerdings kein herkömmliches Artikelverzeichnis sein und ich wollte unbedingt eine nutzerfreundliche Navigation und eine übersichtliche Struktur schaffen. Der Besucher sollte entspannt auf der Seite surfen und gleichermaßen gezielt in Kategorien stöbern können. Da kam mir die Idee mit den Gesichtern und so war FACELINKING geboren. Irgendwie ist es doch auch spannend zu sehen, wer hinter den entsprechenden Internetprojekten steckt, oder? Es verleiht der ganzen Sache einen persönlichen Touch und erhöht zudem die Klickrate. Wir haben auch noch viele Ideen, wie wir das Portal in Zukunft weiterentwickeln werden.

Laut Impressum ist FACELINKING.com ein rein privates, nicht kommerzielles Projekt. Wird das so bleiben? Wie finanziert sich FACELINKING.com?

Wie bereits erwähnt, ist FACELINKING.com als Hobby entstanden. Ich wollte ein Portal schaffen, welches dem Besucher Spass macht und auf dem man in einer Ruhephase entspannt ein bisschen "rumklicken" und so vielleicht den einen oder anderen interessanten Blog oder eine tolle Website entdecken kann. Zudem kann man sehen, wer sich so alles im Internet tummelt - und das ganz ohne einem der vielen Social Networks sein gesamtes Leben offenzulegen. Den Datenschutz nehmen wir übrigens sehr ernst. Zur Anmeldung sind kaum personenbezogene Daten erforderlich (nur Vorname, URL, E-Mail Adresse und ein Vorstellungstext) und wir geben die Daten selbstverständlich nicht an Dritte weiter. Wir erzielen aktuell keinerlei Einnahmen mit dem Projekt und auch die regelmäßigen Verlosungen werden größtenteils noch selbst finanziert. Wir sind übrigens immer auf der Suche nach Sponsoren für unsere Verlosungen. Wer uns über Verlinkung oder Spenden unterstützen will, findet dazu Informationen auf der Webseite.

Gibt es Aufnahmekriterien oder darf jeder bei FACELINKING.com mitmachen?

Bei FACELINKING.com kann sich im Prinzip jeder verlinken und ausführlich vorstellen. Allerdings macht so etwas in der Regel natürlich nur Sinn, wenn man auch einen eigenen Blog oder eine Website hat. Alternativ kann man sein Foto auch mit einem Social Network Profil oder einem YouTube Channel verlinken. Der Vorstellungstext sollte unique sein und eine Länge von min. 200 Wörtern aufweisen. Die Vorstellungsartikel werden veröffentlicht, erscheinen vorübergehend auf unserer Startseite und werden zudem über diverse RSS Feeds, Twitter (aktuell 800 Follower) und Facebook promoted. Aktuell läuft übrigens eine Verlosung, an der jeder teilnehmen kann - eine Anmeldung bei FACELINKING.com ist nicht erforderlich.

Vielen Dank für das Gespräch. Alles Gute für Dich und dein Projekt.

Donnerstag, 1. September 2011

Werbesprache unterm Mikroskop

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Werbesprache. Ein Arbeitsbuch

"Werbesprache. Ein Arbeitsbuch" - Versuch einer Rezension

Vor ein paar Wochen habe ich mich bei Blogg dein Buch als Buchrezensentin angemeldet. Ich wollte Bücher rezensieren, die zu meinem Blog "Text & Kommunikation" passen. Als das Buch "Werbesprache. Ein Arbeitsbuch" vom Gunter Narr Verlag angeboten wurde, überlegte ich nicht lange, sondern schlug sofort zu. Schließlich ist Werbung eine Form der Kommunikation und sicher könnte ich aus dem Buch noch etwas lernen.

Wenige Tage später traf das Buch bei mir ein - und beim Auspacken wurde mir klar, dass ich es hier nicht mit einer federleichten Einführung in die Welt der Werbesprache mit ein paar Übungen zu sprachlicher Kreativität zu tun hatte, sondern mit einem umfassenden Werk über Werbesprache aus Sicht eines Sprachwissenschaftlers für andere (angehende) Sprachwissenschaftler.

Das Buch

Werbesprache, ein Arbeitsbuch
Nina Janich
Gunter Narr Verlag
5., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage
(die erste Auflage erschien 1999)
323 Seiten
ISBN 978-3-8233-6550-1
19,90 Euro

Die Autoren

Die Autorin Prof. Dr. Nina Janich ist Professorin für Deutsche Sprachwissenschaft an der TU Darmstadt. Das Unterkapitel "Mikrokosmos Internet-Formate" wurde von Jens Runkehl, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für deutsche Sprache und Literatur an der TU Darmstadt, verfasst.

Die Rezensentin

Ich denke, das sollten Sie wissen: Ich bin zwar seit vielen Jahren Autorin, aber völlig unbelastet von Sprachwissenschaft - jedenfalls was über den normalen Deutschunterricht hinausgeht. Ich konsumierte bisher eher Ratgeber über das Schreiben ("... für Dummies", "Wie man ... "). Dieses Buch von Nina Janich war also ein echtes Abenteuer für mich.

Rezension

Ich merkte schnell, dass ich mir durch den Titel des Buches eine falsche Vorstellung vom Inhalt und von der Zielgruppe, für die dieses Buch geschrieben wurde, gemacht hatte. "Werbesprache. Ein Arbeitsbuch" hatte mich annehmen lassen, dass dieses Buch eine Anleitung mit Übungen sei, welche mir helfen würde, meine Werbesprache zu entwickeln oder zu erweitern, damit ich in Zukunft noch treffendere, witzigere, raffiniertere (Werbe-) Texte formulieren kann. Doch wie die Autorin in ihrer Regieanweisung "Was will dieses Buch" schreibt, "... soll dieses Arbeitsbuch eine erste methodenkritische Hilfestellung für alle sein, die sich sprachwissenschaftlich mit Werbung beschäftigen und eigene Untersuchungen anstellen wollen". Tja, wer lesen kann und es auch tut, ist klar im Vorteil - mea culpa - ich hätte mir die Buchbeschreibung vor der Bestellung genauer anschauen sollen.

Im Buch geht es speziell um Wirtschaftswerbung und die Sprache in der Werbung (nicht die Fachsprache der Werbetreibenden).

Das sind die Haupt-Themenblöcke des Buches:
  • Markt, Kommunikation, Werbesprache
    Erläutert das Umfeld von Werbung und Werbesprache
    • Was ist Werbung
    • Werbewissenschaftliche Orientierung für die Sprachwissenschaft
    • Werbung - eine inszenierte Form von Kommunikation
    • Rezeption und Produktion - zwei Perspektiven
  • Medien und Formate
    als Makrokosmos der Werbung
    • Mikrokosmos Anzeige: Bausteine der Werbung
    • Mikrokosmos Fernsehspot
    • Mikrokosmos Hörfunkspot
    • Mikrokosmos Internet-Formate
    • Mesokosmos Kampagne: Mehrmedialität und Textsortenvernetzung
  • Sprachwissenschaftliche Forschungsfelder
    • Eine methodenkritische Vorwarnung
    • Die pragmatische Perspektive: Absicht - Inhalt - Form
    • Die sprachliche Form: Vom Wort zum Text
    • Besondere Werbestrategien
    • Paraverbales und Nonverbales
    • Eine Art Fazit: "Der Stil" der Werbung
  • Methodische Tipps
    • Vorschlag für ein Analysemodell
    • Aufbau eines Korpus - ein paar Anmerkungen
  • Der Blick über den Tellerrand
    • Diachronie - ein Interpretationsproblem
    • Diskursanalyse - Werbung als gesellschaftlicher Teildiskurs
    • Interkulturalität - die kontrastive Perspektive
    • Werbung und Werbesprache in der Kritik
Soweit ich das als Nicht-Sprachwissenschaftlerin beurteilen kann, ist dies ein gelungenes und ausführliches Studienbuch für Sprachwissenschaftler und solche, die es werden wollen. Es bietet eine gute Heranführung an das Thema Werbung allgemein und beleuchtet die unterschiedlichen Perspektiven, die aus sprachwissenschaftlicher Sicht für eine Analyse von Werbesprache in der Wirtschaftswerbung wichtig sind.

Kleine Kritikpunkte

"Werbesprache. Ein Arbeitsbuch" ist zwar ein Buch von Wissenschaftlern für (angehende) Wissenschaftler, dennoch bin ich der Meinung, könnten manche der langen Textblöcke aufgelockert, gegliedert und lange Sätze auf mehrere gesplittet werden, um die Lesbarkeit zu verbessern. Die Hintergründe von Tabellen und manchen Kästen sind zu dunkel - das macht einen unfreundlichen Eindruck und erschwert die Lesbarkeit. Im einführenden Abschnitt "Aufbau und Textbausteine" würde ich mir eine übersichtliche Liste der verwendeten Symbole und deren Bedeutung wünschen. Ein Thema, das man meiner Meinung nach im Zusammenhang von Werbung und (Werbe-) Sprache im Internet erwähnen sollte, ist die Suchmaschinenoptimierung (Search Engine Optimization, SEO) und ihr Einfluss auf die (Werbe-) Sprache.

Zusammenfassung:

Empfehlenswertes Studienbuch für (angehende) Sprachwissenschaftler **** (vier von fünf Sternen)

"Werbesprache. Ein Arbeitsbuch" ist ein umfassendes und aus meiner Sicht gelungenes Lehr- und Übungsbuch für (angehende) Sprachwissenschaftler, die sich mit Werbung und Werbesprache in der Wirtschaftswerbung auseinandersetzen wollen. Es erläutert werbewissenschaftliche Grundlagen und führt in linguistische Fragestellungen ein, die für die Untersuchung von Werbung und Werbesprache wichtig sein können. Das umfangreiche Wissensangebot wird ergänzt durch Hinweise auf methodische Probleme, Forschungsanregungen, Literaturtipps und praktische Übungen. Einen Stern Abzug wegen kleiner Kritikpunkte an der Form.



Freitag, 19. August 2011

Google Plus - Einsteigen für Freiberufler und kleine Unternehmen

Google Plus - vgwort
Google Plus - Kontakte werden in
frei definierbare Kreise sortiert
Google Plus (Google+, G+) ist die neue Social-Media-Plattform von Google. Zwar ist Google Plus aktuell noch in der Beta- oder Pre-Betaphase, doch ist es das am schnellsten wachsende soziale Netzwerk, das es bisher gab. Schon 4 Wochen nach dem Start soll Google Plus bereits 25 Millionen Nutzer (weltweit) gehabt haben.

Google Plus - warum es nicht nur ein vorübergehender Hype ist


Es gibt Leute, die Google Plus für einen vorübergehenden Hype halten, der bald einschlafen wird. Das glaube ich nicht. Google wird meiner Meinung nach alles daran setzen, damit Google Plus zu einem Erfolg wird. Was mich davon überzeugt, dass Google es schaffen wird:

  • Google kann Google Plus mit der Google-Suche verknüpfen
    Google ist die am häufigsten benutzte Suchmaschine.
    • Öffentlich in Google Plus geteilte Links erscheinen schon jetzt in den Suchergebnissen derer, die die Person in einem ihrer Kreise haben.
    • Google-Plus-Posts werden vermutlich demnächst als Echtzeitsuchergebnisse in die Google-Suche integriert werden (so wie es Twitter bis vor kurzem war).
  • Anreize für Webmaster und Blogger
    Durch die Integration von Google Plus und +1 in die Google-Suche/Suchergebnisreihenfolge wird ein starker Anreiz für Webmaster und Blogger geschaffen, Google Plus/+1 in ihre Webseiten bzw. Blogs einzubauen.
    • Bewertungen durch +1 von Google (entspricht dem Like von Facebook) werden bereits jetzt beim Google-Suchalgorithmus berücksichtigt. Was man mit +1 bewertet, erscheint zudem unter +1 im Google-Plus-Profil (wenn man dies freigibt).
  • Google Plus gibt es auch als mobile Apps (Betriebssysteme Android und iOS)
    Die Zukunft ist u. a. mobil und in diese Richtung entwickelt und investiert Google (z. B. auch Übernahme Motorola).
  • Google Plus - Chrome-Erweiterungen
    Es gibt zig Chrome-Erweiterungen, die das Google-Plus-Erlebnis auf dem Desktop-PC oder Notebook entsprechend den individuellen Wünschen verschönern.
  • Enge Verknüpfung mit Picasa, YouTube und anderen Google-Produkten
    Beispielsweise kann man Google Plus Hangouts (Video-Konferenzen) jetzt auch von YouTube aus starten und sich gemeinsam Videos anschauen.
  • Google-Plus - Spiele als Anreiz für die Privatnutzer
    Google beteiligt sich an Unternehmen, deren Produkte sich sehr dazu eignen, in Google Plus integriert zu werden (z. B. an Zynga). Spiele sind inzwischen in Google Plus integriert - zum Glück in einem eigenen Stream.
  • Google Plus für Business in Arbeit
    Bisher gibt es nur Personenprofile, doch die Business-Profile für Marken und Firmen sind in Vorbereitung. [Nachtrag: Inzwischen sind die Unternehmensseiten (Google Plus Pages) da.]
  • Google hat Geld, motivierte Mitarbeiter und Visionen
    Google ist meiner Meinung nach innovativ, hat jede Menge Geldanlage (verdient mit der Google-Suche) und pflegt seine Mitarbeiter (jedenfalls liest man immer wieder darüber). Es hat anscheinend alles, was nötig ist, um tolle Sachen zu entwickeln.

Google Plus - der Early Adopter fängt den Wurm


Aktuell gibt es bei Google Plus nur Personen-Accounts und noch keine Business-Accounts oder kostenpflichtige Möglichkeiten für Social-Media-Marketing. Dies bietet gute Chancen für Early-Adopter-Freiberufler/kleine Firmen, sich zu postionieren und z. B. ihre Kreise aufzubauen und etwas für ihre Sichtbarkeit zu tun.

Google-Plus-Einsteiger - die ersten Schritte


  1. Profil ausfüllen
    Bevor Sie etwas anderes tun, füllen Sie am besten Ihr Profil aus. Zwar sollten Sie - wenn Sie beruflich netzwerken und potenzielle Kunden/Auftraggeber interessieren wollen - Ihre beruflichen Tätigkeiten vorstellen, doch sollten Sie sich als lebendige Person präsentieren.
  2. Ein bis drei Posts schreiben
    Posten Sie keine Werbung, sondern lieber etwas Humorvolles oder Interessantes. Die Posts sollen einen Eindruck von Ihrer Person und Ihren Interessen geben.
  3. Kreise anlegen
    Ein paar Kreise sind immer schon voreingestellt, aber man kann seine Kreise benennen und einrichten, wie man will. Üblicherweise packt man die Leute zusammen in einen Kreis, die die gleichen Posts lesen sollen (z. B. je einen Kreis für Familie, Autoren-Kollegen, Verlage, Lieferanten). 
  4. Leute zu den Kreisen hinzufügen
    Wenn man jemanden zu seinen Kreisen hinzufügt, dann wird derjenige darüber informiert. In der Regel schaut die Person dann in Ihr Profil, um festzustellen, ob sie Ihnen auch folgen möchte (sprich: Sie in einen ihrer Kreise hinzufügen will).
  5. Zuhören (mitlesen) und mitmachen
    Wenn man irgendwo neu ist, schadet es nicht, sich erst einmal umzuschauen, was andere so schreiben. Findet man ein Posting im Stream eines andere lustig oder interessant, dann gibt man Feedback, indem man auf +1 klickt. Wenn man es so gut findet, dass man es auch den Mitgliedern im eigenen Netzwerk mitteilen will, dann teilt man das Posting und gibt an, welcher Kreis oder welche Kreise das in ihrem Stream sehen können sollen. Wenn man etwas "öffentlich" postet oder teilt, dann können es alle Kreise lesen und es erscheint auch im öffentlichen Profil.
  6. Features mit Leuten aus dem vertrauteren Netzwerk testen
    z. B. wie man Hangouts (Videokonferenzen) für Konferenzen, Briefings oder Schulungen nutzen kann

Was man noch so alles mit Google anstellen kann, findet man in einem ausführlichen Google-Dokument (Google+ Tipps und Tricks), das von über 100 Leuten gemeinsam verfasst wurde.

Google Plus - eine Chance für mehr Sichtbarkeit


Gerade Freiberufler und Firmen mit kleinem Budget für Suchmaschinenmarketing und Social-Media-Marketing können sich in der frühen Phase eines sozialen Netzwerkes gut positionieren. Dadurch, dass viele neu und auf Entdeckungsreise sind, gibt es gleich ein gemeinsames, neutrales Gesprächsthema: Google Plus und wie man es findet bzw. wo man welche Funktionen findet und am besten anwendet. Das macht das Kontakten und Vernetzen sehr einfach.

Ansonsten lernt man andere Teilnehmer kennen, indem man ein paar interessante Leute in seine Kreise aufnimmt (z. B. die "Stars" der Branche oder Mitarbeiter einer interessanten Fachzeitschrift) und sich an interessanten Diskussionen beteiligt. Dadurch werden andere Kontaktsuchende aufmerksam und nehmen Sie möglicherweise in ihre Kreise auf. Man kann auch bei anderen schauen, wen sie in ihre Kreise aufgenommen haben - vielleicht findet man den ein oder anderen, der einen auch interessiert.

Hinweis zum Kontakte-sammeln:
Theoretisch kann man auch einfach alle aus den Kreisen eines anderen selbst "einkreisen", doch davon hat man nichts (jedenfalls nicht, wenn die nicht "zurückkreisen" - was sie i. d. R. nicht tun). Im Gegenteil: Leute, die Tausenden folgen, aber selbst kaum in Kreisen anderer sind, wirken unseriös - man fürchtet, es sind Adressensammler, die spammen wollen. Selbst wenn ein Adressensammler in Kreise aufgenommen wird, weiß er nicht in welche - wahrscheinlich bei jedem in einen "Spammer"-Kreis, der dann nicht gelesen wird.

Interessante Leute zum Vernetzen findet man auch über die Listen von Google Plus Counter. Für den Bereich Text und Kommunikation sind
das z. B.

Weitere Listen bei Google Plus Counter.

In entsprechende Listen sollte man sich nach einer kurzen Erkundungsphase auch eintragen lassen. Manche Listen sind offen, d. h. man kann sich selbst eintragen, andere Listen werden betreut - da nimmt man Kontakt zum Betreuer auf (zu finden unter "curated by") und fragt, ob man aufgenommen wird. Wenn es noch keine passende Liste gibt, kann man auch selbst eine anfangen.

Natürlich gibt es noch jede Menge anderer Verzeichnisse, die ich jedoch nicht ausprobiert bzw. für nicht interessant befunden habe.

Google Plus - Tipps zum Schluss


Zwar sollte man - wenn man Google Plus für berufliches Netzwerken und eventuell Auftragsakquise nutzen möchte - im Profil darlegen, was man beruflich macht und auch seine Homepage, Blogs oder Websites verlinken (bringt Besucher und Backlinks), aber bei seinen Postings sollte man sich mit Werbung zurückhalten. Niemand mag bespammt werden - ich blockiere z. B. Personen, die im Profil und im Stream nur ihre Produkte oder Dienstleistungen bewerben und sonst nichts Interessantes zu sagen haben. Aber jeder mag Informationen - aktuell oder originell, spannende Diskussionen oder einfach etwas Spaß und Unterhaltung. Also zeigen Sie sich als die interessante Person, die sie sind.

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Möchten Sie sich mit mir bei Google Plus vernetzen? Besuchen Sie mein Google-Plus-Profil!

Nachträglicher Hinweis
Seit Januar 2012 finden Sie eine ausführlichere Google Plus Anleitung für Freiberufler und Unternehmen Google+ erfolgreich nutzen von mir auf den Seiten von akademie.de. Die Informationen und Screenshots wurden im April 2012 - nach Einführung der neuen Oberfläche von Google Plus - aktualisiert.

Freitag, 5. August 2011

Flattr im Test

Flattr - vgwort
Flattr-Erfahrung: Mit Flattr oder anderen Micro-Payment-Diensten 
Geld verdienen - funktionieren freiwillige Bezahlmodelle (Crowd Funding/Social Funding)?
Mit Flattr oder anderen Micro-Payment-Diensten
Geld verdienen - funktionieren freiwillige Bezahlmodelle?
  Flattr, Kachingle & Co.

2010 wurden Flattr, Kachingle und andere Micro-Payment-Dienste als freiwillige Bezahlmodelle (teilweise auch als Crowd Funding/Social Funding bezeichnet) in vielen Medien vorgestellt. Endlich sollte es eine Möglichkeit geben, wie Webseiten-/Homepagebetreiber, Blogger und andere Autoren/Publisher für ihre Informations-/Unterhaltungsleistung auf freiwilliger Basis bezahlt werden können. Aus vielen kleinen Tropfen sollte ein angemessener Geldfluss werden, denn belohnt werden müsste doch das, was gut geschrieben ist und/oder anderen einen Mehrwert bringt.

Die Abwicklung der Micro-Payment-Dienste ist üblicherweise so:
Der Blogger/Autor/Publisher o. ä. meldet sich und seine Website/Blog bei dem Micro-Payment-Dienst (Flattr, Kachingle o. a.) an und integriert den entsprechenden Bezahl-Button in seine Website bzw. den Blog. Gefällt einem Seiten- oder Blogbesucher, was er auf der Seite liest, klickt er auf den Bezahl-Button. Falls er bereits einen Account und ein Guthaben bei dem Micro-Payment-Dienst hat, kann er (sich einloggen und) eine Bezahlung anstoßen, ansonsten wird er gebeten, sich zu registrieren. Erst wenn man registriert ist, ein Guthaben überwiesen und die Bezahlkonditionen festgelegt hat (wie viel man pro Monat ausgeben möchte), kann man dann per Klick eine Bezahlung anstoßen.

Wie beim Geld verdienen mit Werbung auf der Homepage, muss man viele Besucher finden, damit sich das freiwillige Bezahlsystem lohnen kann. Das heißt, man muss viel Zeit und Arbeit in Suchmaschinenoptimierung (SEO) und andere Möglichkeiten, den Blog bekannt zu machen, stecken.

Flattr im Test

Ich testete Flattr von Dezember 2010 bis Ende 2012 auf verschiedenen Webseiten mit Finanzinformationen für Verbraucher - sowohl als Konsumentin, die anderen geschätzten Autoren für ihre Arbeit eine kleine Gegenleistung geben möchte, als auch als Autorin und Webseitenbetreiberin, die mit ihren Online-Veröffentlichungen ein Einkommen erzielen möchte.

Flattr - mein Fazit

Das ist mein Fazit ohne Umschweife:

  • Die Sache mit dem Bezahlen als Konsumentin funktioniert einwandfrei und gefällt mir sehr gut - gerade, wenn ich von jemandem oft erhellende Blogbeiträge oder anderen Web Content lese, bin ich froh, das auch anerkennen zu können. Schließlich bin ich der Meinung, dass Autoren und Journalisten für ihre Arbeit bezahlt werden sollen und möchte auf diese Weise auch unabhängige Schreiber unterstützen.
  • Selbst ein Einkommen mit dem Flattr-Bezahl-Button zu generieren, ist mir nicht gelungen. Jedoch glaube ich, die Gründe dafür gefunden zu haben, warum Flattr in meinem Fall (zumindest in diesem Test) nicht funktionierte.

Warum Flattr bei mir nicht funktionierte

Dass Flattr zur Einkommensgenerierung bei mir nicht funktionierte, führe ich auf diese Gründe zurück:

  • Ungeeignetes Thema für Flattr
    Ich habe den Flattr-Button auf statischen Webseiten mit Finanzthemen für Verbraucher/Privatanleger eingebaut. Das ist möglicherweise ein Themenkreis, der nicht zur freiwilligen Bezahlung einlädt.
  • Zielgruppe der Webseiten/Blogbeiträge kennt Flattr nicht
    Die Zielgruppe der Finanzthemenseiten sind Otto-Normalverbraucher/Privatanleger, die vermutlich Flattr/Crowdfunding gar nicht kennen. Flattr scheint mir am ehesten von Bloggern und anderen schon lange web- und/oder journalismusaffinen Menschen genutzt zu werden.
  • Einsatz von Flattr parallel zur Werbeplatzvermietung bzw. zu Partnerprogrammen/Affilate-Programmen
    Zum einen lenkt die Werbung vom Flattr-Button ab, zum anderen ist die Bereitschaft, eine Information freiwillig zu bezahlen, vermutlich größer, wenn der Leser keine anderen Versuche zur Einkommensgenerierung sieht. [Leider reicht aber weder das eine noch das andere zur Unterhaltsbestreitung]
  • Hoher Anteil neuer Besucher
    Meine Statistik zeigt, dass ein sehr großer Teil meiner Seitenbesucher neue Besucher sind und ein geringerer Anteil wiederkehrende Besucher. Selbst wenn ein Besucher neugierig auf den Flattr-Button klickt, wird er nach Abschluss der Registrierung und Einrichtung eines Guthabens mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit nicht wiederkommen und eine Bezahlung anstoßen.
  • Zu viele Social Buttons
    Um die Aufmerksamkeit der Besucher buhlen nicht nur Überschriften, Grafiken, Bilder und Werbung, sondern auch die zunehmende Zahl an Social Buttons.
Konsequenz [mit Nachtrag]

Die Flattr-Buttons, die ich auf meinen Finanz-Webseiten zum Testen eingebaut hatte, habe ich inzwischen wieder entfernt, doch werde ich ab sofort [5.12.2012] diesen Blog mit Flattr-Buttons ausstatten. Ich selbst möchte auch weiterflattren - um meine Anerkennung für wertvolle Inhalte zu zeigen, weil es einfach ethisch ist für Leistungen zu bezahlen und weil das Lesen von Online-Zeitungen, -Magazinen, Blogartikeln usw. auch den Aufwand für die Entsorgung von Papier erspart (auch wenn ich persönlich immer noch sehr gerne Print-Erzeugnisse lese).

Alternativen zu freiwilligen Bezahlsystemen?

Wer vom Schreiben leben können möchte, überlegt, wie er am besten publiziert (mit oder ohne Verlag, als Buch, E-Book, im Blog oder auf Webseiten) - natürlich auch unter dem Gesichtspunkt, wie man mit seiner Arbeit am ehesten ein überlebenswertes Einkommen (-> FAZ-Artikel zum Thema) erzielen kann. Über Content-Farmen (Erklärung bei -> Wikipedia) und Autorenplattformen meiner Meinung nach nicht. Als es mit Flattr und Kachingle auf den Webseiten und Blogs (anscheinend nicht nur bei mir) nicht klappte, versuchten es manche Autoren mit Paypal ("Danke") und Amazon-Gutscheinen, was anscheinend auch nicht klappte, und erwägen jetzt, Hochwertiges online nur noch als kostenpflichtes E-Book zu veröffentlichen. Kann das eine Lösung sein? Oder was ist die Lösung?

Einladung zur Flattr-/Micro-Payment-Dienste-Diskussion

Wie ist Ihre/eure Meinung? Welche Erfahrungen haben Sie/habt ihr mit Flattr oder anderen Möglichkeiten des Crowd Fundings/Social Fundings/Micro-Payment-Diensten gemacht. Sind die ähnlich oder ganz anders? Schreiben Sie doch einen Kommentar!